Krampfadern: Warum entstehen sie und was belastet sie im Sommer besonders?
Leiden Sie unter Schwellungen, schweren Beinen und Krampfadern? Erfahren Sie, warum dieses Problem entsteht, was den Zustand verschlimmert und welche bewährten Gewohnheiten und Maßnahmen tatsächlich Linderung bringen.
Was sind Krampfadern und wie entstehen sie?
Krampfadern an den Beinen, auch Varizen genannt, sind nicht nur ein ästhetisches Problem, das uns im Sommer oft davon abhält, den Lieblingsrock oder kurze Hosen zu tragen. Sie stellen vor allem ein gesundheitliches Problem dar.
Ursache ist eine Fehlfunktion der Venenklappen. In gesunden Beinen wirken sie wie Einwegventile und helfen dabei, das Blut nach oben zum Herzen zu transportieren. Werden sie jedoch schwächer und schließen nicht mehr richtig, fließt das Blut aufgrund der Schwerkraft zurück und sammelt sich in den unteren Bereichen der Beine.
Der anhaltende Druck erweitert und verformt nach und nach die Venenwand, bis die typischen geschlängelten, violetten oder blauen Knoten sichtbar werden.
Während feine rote „Besenreiser“ oder leicht durchscheinende erweiterte Äderchen mit einem Durchmesser von ein bis drei Millimetern eher ein frühes Stadium darstellen, sind echte Krampfadern deutlich größer. Sie treten sichtbar hervor, sind tastbar und weisen darauf hin, dass das oberflächliche Venensystem seine Funktion nicht mehr richtig erfüllt.
Warum verschlimmern sich Krampfadern gerade im Sommer?
Die Sommermonate stellen für Krampfadern eine große Belastung dar. Wenn Schwellungen und schwere Beine bei hohen Temperaturen stärker werden, sind dafür vor allem drei Faktoren verantwortlich:
- Wärme erweitert die Blutgefäße: Um den Körper abzukühlen, erweitern sich die Gefäße auf natürliche Weise. Eine bereits geschwächte Vene dehnt sich dadurch noch stärker aus, die Venenklappen schließen schlechter und Blut sammelt sich in den unteren Extremitäten.
- Lange Reisen und langes Sitzen: Bei längeren Auto- oder Flugreisen sitzen Sie oft stundenlang, ohne die Wadenmuskulatur ausreichend zu aktivieren. Der Blutfluss verlangsamt sich und der Druck in den Venen steigt.
- Dehydrierung: Verstärktes Schwitzen und eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr führen dazu, dass das Blut dickflüssiger wird und schlechter fließt.
Vorsicht beim Wellness im Sommer
Bei Venenproblemen sind auch heiße Bäder und Saunagänge ungeeignet, da extreme Wärme die Gefäße erweitert und die Beschwerden verstärkt. Eine lauwarme oder kühlere Dusche sorgt für deutlich mehr Erleichterung.
Ursachen und Risikofaktoren
Bei der Entstehung von Krampfadern spielen sowohl erbliche Faktoren als auch der Lebensstil eine Rolle:
- Genetik und Alter: Hatten bereits Ihre Eltern dieses Problem, kann das Risiko, Krampfadern zu entwickeln, bis zu 80 % betragen. Mit zunehmendem Alter verlieren außerdem die Venenwände und Venenklappen auf natürliche Weise an Elastizität.
- Berufe mit wenig Bewegung: Langes Stehen, etwa bei Friseuren oder Kellnern, ebenso wie dauerhaftes Sitzen bei Büroarbeit oder beim Autofahren verlangsamt den Blutkreislauf und erhöht den Druck in den Beinen.
- Übergewicht und Adipositas: Jedes zusätzliche Kilogramm belastet das ohnehin beanspruchte Venensystem in den unteren Extremitäten und im Becken zusätzlich.
Wussten Sie, dass Frauen zwei- bis dreimal häufiger mit Krampfadern zu kämpfen haben als Männer? Eine wesentliche Rolle spielen Hormone wie Östrogen und Progesteron, die die Venenwände entspannen und ihre Festigkeit verringern.
Hinzu kommen häufig hormonelle Verhütungsmittel und eine Schwangerschaft. Während der Schwangerschaft verändert sich nicht nur der Hormonhaushalt, sondern das gesamte Blutvolumen kann um bis zu die Hälfte zunehmen. Die wachsende Gebärmutter übt zusätzlich Druck auf die Beckenvenen aus und erschwert dadurch den Rückfluss des Blutes aus den Beinen zum Herzen.
Krampfadern in jungen Jahren: Wann ist es mehr als nur ein kosmetisches Problem?
Obwohl Krampfadern meist mit höherem Alter verbunden werden, sind Krampfadern in jungen Jahren, sogar bereits nach dem 20. Lebensjahr, keine Seltenheit. Häufig steckt eine starke genetische Veranlagung dahinter, kombiniert mit langem Sitzen beim Studium, Bewegungsmangel oder der Einnahme hormoneller Verhütungsmittel.
Es handelt sich jedoch keineswegs nur um einen kosmetischen Makel. Wenn Sie abends unter Schwellungen, Schmerzen oder einem unangenehmen Gefühl schwerer Beine leiden, signalisiert Ihr Körper, dass das Venensystem geschwächt ist und nicht mehr richtig funktioniert.
Warten Sie in diesem Fall nicht mit einem Besuch beim Gefäßchirurgen. Eine frühzeitige Behandlung kann helfen, schwerwiegendere Komplikationen in der Zukunft zu vermeiden.
Erste Symptome, die Sie nicht übersehen sollten
Krampfadern entstehen nicht von einem Tag auf den anderen. Der Körper sendet häufig bereits Warnsignale, lange bevor deutlich geschlängelte Venen sichtbar werden. Zu den häufigsten ersten Beschwerden gehören:
- Schwere und müde Beine: Typischerweise treten diese Beschwerden gegen Abend oder nach langem Stehen bzw. Sitzen auf.
- Schwellungen an den Knöcheln: Leichte Schwellungen können sich abends verstärken und über Nacht wieder zurückgehen.
- Nächtliche Krämpfe: Schmerzhafte Wadenkrämpfe können Sie unerwartet aus dem Schlaf wecken.
- Juckreiz und Spannungsgefühl: Die Haut rund um die betroffenen Venen kann jucken, brennen oder gespannt sein. Dies kann auf einen verlangsamten Blutfluss und eine leichte Entzündung hinweisen.
Werden diese ersten Beschwerden über längere Zeit ignoriert, kann sich daraus ein chronisches Stadium entwickeln. Das Venensystem ist dann dauerhaft geschädigt und kann das Blut nicht mehr ausreichend zum Herzen zurücktransportieren.
Die Schwellungen können dauerhaft werden, während sich die Haut rund um die Knöchel verdunkelt, austrocknet und verhärtet. Dadurch steigt das Risiko schmerzhafter Beingeschwüre. Dabei handelt es sich um offene, sehr schmerzhafte Wunden an den Beinen, die nur schwer heilen.
Was hilft auf natürliche Weise gegen die Beschwerden?
Einige einfache Gewohnheiten unterstützen den Blutkreislauf und entlasten schwere Beine:
- Regelmäßige Bewegung: Bereits 30 Minuten Gehen täglich aktivieren die Wadenmuskelpumpe, die den Bluttransport nach oben unterstützt. Bei einer sitzenden Tätigkeit sollten Sie regelmäßig aufstehen, kurze Strecken gehen und die Fußgelenke kreisen lassen.
- Beine hochlagern: Legen Sie Ihre Beine mehrmals täglich für 15 bis 20 Minuten über Herzhöhe. Dadurch sinkt der Druck in den Venen und Schwellungen gehen zurück.
- Kaltes Wasser: Wechselduschen mit warmem und kaltem Wasser – immer mit kaltem Wasser abschließen – ziehen die Gefäße zusammen und regen den Blutkreislauf an.
- Kompressionsstrümpfe: Der sanfte Druck der Strümpfe wirkt einer Blutansammlung in den Beinen entgegen. Besonders hilfreich sind sie bei langem Stehen, auf Reisen oder während der Schwangerschaft.
- Ausreichend trinken und weniger Salz: Trinken Sie täglich 1,5 bis 2 Liter Wasser. Reduzieren Sie gleichzeitig den Salzkonsum, da Salz Wasser im Körper bindet und Schwellungen verstärken kann.
Massageöle und kühlende Mischungen für schwere Beine
Bei müden und geschwollenen Beinen können selbst gemachte Kräuteröle angenehm sein. Probieren Sie beispielsweise folgende Mischung: Geben Sie zu 50 bis 60 ml eines leichten Trägeröls, etwa Traubenkern- oder Mandelöl, ätherische Öle – ungefähr 30 Tropfen Zypresse, 40 Tropfen Minze, 5 Tropfen Rosmarin und 15 Tropfen Zitrone. Gut schütteln und dunkel lagern.
Tragen Sie das Öl immer von den Füßen nach oben in Richtung Herz auf, um den Rückfluss des Blutes aus den Beinen zu unterstützen. Massieren Sie mit sanften Bewegungen und üben Sie niemals starken Druck direkt auf hervorstehende Venen aus.
Für gereizte Haut rund um die Varizen eignen sich auch reines Arnikaöl oder Ringelblumenöl. Sie unterstützen die Regeneration, lindern Entzündungen und beruhigen gespannte Haut.
TIPP: Trägeröl: Was ist es und wie hilft es Ihnen?
Was sollten Sie bei Krampfadern vermeiden?
Vermeiden Sie bei Krampfadern Aktivitäten und Gewohnheiten, die geschwächte Gefäße zusätzlich belasten. Heiße Saunagänge, Solarien und heiße Bäder sollten tabu sein.
Auch langes Stehen oder Sitzen ohne Bewegung fördert die Ansammlung von Blut in den Beinen. Enge Kleidung im Bereich der Taille und Oberschenkel sowie häufiges Übereinanderschlagen der Beine können den Blutfluss zusätzlich behindern.
Bei jeder Massage zu Hause sollten Sie außerdem starken Druck direkt auf hervorstehende Venen vermeiden.
Wann sollten Sie zum Arzt und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Natürliche Pflegemaßnahmen können unangenehme Beschwerden lindern, bestehende Krampfadern jedoch nicht vollständig entfernen.
Bei anhaltenden Beschwerden wie Schmerzen, Verhärtungen, Rötungen einer Vene oder einer nicht heilenden Wunde am Unterschenkel sollten Sie möglichst schnell einen Gefäßchirurgen oder Angiologen aufsuchen.
Zur grundlegenden Diagnostik gehört eine schmerzfreie Doppler-Ultraschalluntersuchung, mit der sich Zustand und Funktion der Venen genau beurteilen lassen. Je nach Ausmaß des Problems wählt der Arzt die passende Behandlung. Dazu gehören unter anderem Sklerotherapie, moderne Laserbehandlungen oder ein chirurgischer Eingriff.